Qualitätskriterien der Jugendverbandsarbeit

Nachhaltigkeit

Nachhaltige Kinder- und Jugendarbeit in den Jugendverbänden und anderen selbstbestimmten Jugendorganisationen nimmt die Förderung jedes jungen Menschen in seiner Entwicklung ernst. Sie ist auf Kontinuität ausgerichtet und trägt zum Erhalt und zur Weiterentwicklung einer demokratischen und solidarischen Zivilgesellschaft bei. Jugendverbände setzen sich für die Förderung der Entwicklung aller Kinder und Jugendlichen um ihrer selbst willen ein. Mit ihrem werteorientierten Ansatz bilden Jugendverbände ein gesellschaftliches Gegengewicht zu extremistischen, undemokratischen und unsolidarischen Tendenzen.

Mitbestimmung und Partizipation

Jugendverbände leisten einen wichtigen und notwendigen Beitrag zur gesellschaftlichen und politischen Beteiligung junger Menschen. In der Gruppenarbeit machen viele Kinder und Jugendliche erste Erfahrungen von Mitbestimmung und Mitwirkung, fortgeführt wird dies durch Meinungsbildungsprozesse und Entscheidungsfindungen auf allen Ebenen des Jugendverbandes bis hin zur Übernahme von Leitungsfunktionen. Mitbestimmung und Partizipation von Kindern und Jugendlichen verstehen Jugendverbände umfassend: Aus der Jugendarbeit und Jugendhilfe heraus in alle Bereiche der Gesellschaft, die sie und ihre Zukunft betreffen. Konkret bedeutet dies, die eigenen Belange und Bedürfnisse wahrzunehmen, zu formulieren und sich öffentlich und in politischen Gremien für deren Realisierung einzusetzen. Dies geschieht innerverbandlich, gegenüber dem Erwachsenenverband – wo es ihn gibt – und in verschiedenen gesellschaftlichen Bezügen, z. B. in Schule, Gesundheitswesen, Stadtentwicklung, Verkehrsplanung, Umweltschutz, Arbeitsmarkt oder der Wohn- und Wohnumfeldgestaltung.

Selbstbestimmung

Jugendverbände knüpfen an den Interessen von Jugendlichen an. Jugendliche bestimmen und gestalten Jugendarbeit mit (vgl. § 11 SGB VIII), sie gestalten darüber hinaus Jugendarbeit gemeinschaftlich, sie organisieren und verantworten sie selber (vgl. § 12 SGB VIII). Jugendarbeit in Jugendverbänden existiert überhaupt erst deswegen. Die Mitglieder bestimmen die Auswahl von Zielen und Programmen, sie wählen und beauftragen die Leitungen im Verband und sorgen für eine entsprechende Rechenschaftspflicht. Anliegen und Interessen junger Menschen werden durch Jugendverbände und ihre Zusammenschlüsse, z. B. den Landesjugendring, zum Ausdruck gebracht und vertreten. Selbstbestimmung, Selbstorganisation und Interessenvertretung in den Jugendverbänden sind nur denkbar, weil sie auf die Prinzipien freiwillige Teilnahme, demokratische Strukturen und qualifizierte Ehrenamtlichkeit bauen können.

Ehrenamt

Ehrenamtliches Engagement als ein wesentliches Merkmal der Kinder- und Jugendverbandsarbeit bedeutet, in seiner Freizeit Engagement, Spaß, persönlichen Gewinn und die Übernahme von Verantwortung miteinander zu verbinden. Jugendverbände stellen sich den Veränderungsprozessen freiwilligen Engagements und bieten zahlreiche länger- und kurzfristige Möglichkeiten des Aktivwerdens. Jugendliche engagieren sich durch die längerfristige Übernahme eines Amtes auf pädagogischer Ebene (z. B. Gruppenleitung) oder auf politischer Ebene (z. B. Verbandsleitung oder Interessenvertretung) sowie durch die Übernahme kurzfristiger Aufgaben bei der Sommerfahrtbetreuung oder der Seminargestaltung. Das Engagement erfolgt unentgeltlich, freiwillig, selbstbestimmt und ist durch Verbindlichkeit und Verantwortung geprägt.

Parteilichkeit durch Werteorientierung

Jugendverbände tragen zum Erhalt und zur Weiterentwicklung einer demokratischen und solidarischen Zivilgesellschaft bei, sie sind „Werkstätten der Demokratie”. Ein humanistisch oder religiös geprägtes Menschenbild, jeweils unterschiedliche soziale, politische, gewerkschaftliche oder religiöse Wertvorstellungen der Jugendverbände prägen den Charakter ihrer Angebote und stellen die Orientierung für die Ausrichtung von Seminaren der außerschulischen politischen Bildung oder thematischer Fahrten – darunter z. B. Gedenkstättenfahrten – dar.